Von den zufriedensten Menschen dieser Welt – und warum Geld dabei wenig Rolle spielt

Wo das Glück zuhause ist

Weltkarte des Glücks (Rechte: Adrian White, University of Leicester)

Eine Weltkarte des Glücks – das gibt es tatsächlich! Die britische Denkfabrik New Economics Foundation (NEF) wertet jedes Jahr Angaben von 80.000 Menschen aus 143 Ländern, die insgesamt 99 % der Weltbevölkerung repräsentieren, wissenschaftlich aus und erstellt daraus eine Art Nationen-Rangliste des Glücks. 2005 bediente dabei der Spitzenreiter, also das Land mit den zufriedensten Einwohnern, sämtliche Klischees und (unsere westlich geprägten) Vorstellungen von Glück:

Das glücklichste Land der Welt war die Südseeinsel Vanuatu. Siehst du sie auch - die Bilder eines friedlichen Eilands, dessen palmengesäumte Sandstrände von sanft kräuselnden Wellen eines tiefblauen Meeres liebkost werden und wo freundliche, unbeschwerte Inselbewohner in Eintracht miteinander leben ...?

Doch Vorsicht mit vorschnellen Urteilen: 5 Jahre davor gab es eine ähnliche Untersuchung an der London School of Economics, und diese wies Bangladesch als glücklichste Nation der Erde aus – ein Land, das als Synonym für Armut und Elend gilt. Wie passt das zusammen?

Einmal abgesehen davon, dass es mehr als fraglich ist, ob uns Europäer ein Alltag auf Vanuatu auf Dauer glücklich machen würde, lag der gemeinsame Nenner im Glück des kleinen Fortschritts. Eine etwas bessere medizinische Versorgung, ein wenig mehr Einkommen, ein Stück mehr Infrastruktur und Bildungsmöglichkeiten – all die schrittweisen positiven Entwicklungen im Befragungszeitraum bewirkten, dass sich die Einwohner zufriedener fühlten als der Rest der Welt.

Ein Plädoyer für unbegrenztes Wirtschaftswachstum?

Nun liegt der Gedanke nahe, dank dieser Erkenntnisse ein Plädoyer für Fortschritt und Wirtschaftswachstum zu halten. Aber so einfach ist das nicht. Denn Wachstum macht zwar glücklich, aber nur, wenn man wenig besitzt und es um die ersten Verbesserungen geht: Auto statt Fahrrad, Wohnung statt Zimmer-Küche-Kabinett, eigener Telefonanschluss statt Telefonzelle. Über ein gewisses Niveau hinaus endet die Beziehung zwischen Wachstum und Glück.

Ein Beispiel: In Deutschland hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) - ein vereinfachter Gradmesser für das, was wir uns leisten können - in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Genau wie in fast allen großen Industrienationen. Die Lebenszufriedenheit ist hingegen unverändert geblieben oder, wie in den USA, sogar gesunken.

Mit anderen Worten: Glück wächst mit steigendem Wohlstand nicht mit. Freilich, unter einem Jahreseinkommen von etwa 10.000 € bringt Geld auch mehr Zufriedenheit. Aber darüber bricht die Verbindung langsam ab. Wir gewöhnen uns einfach an den neuen Lebensstil, das erste Hochgefühl einer Gehaltserhöhung oder eines unerwarteten Geldzugewinns zieht vorüber, löst sich wieder auf. Für Wirtschaftswissenschafter, Soziologen, Psychologen und Hirnforscher bleibt die Frage:

Wenn nicht Geld, was dann macht uns glücklich?

Zufriedener, meint die Glücksforschung, werden wir nicht durch noch mehr Dinge, die wir uns leisten können, sondern durch

  • sinnerfüllte Aktivitäten in Arbeit und Freizeit,
  • zunehmende Möglichkeiten der Selbstverwirklichung und
  • die Freiheit, über die Gestaltung des eigenen Lebens selbst entscheiden zu können.

Auch eine funktionierende Partnerschaft lässt das Glücksbarometer steigen. Und – ganz wichtig: in das eigene Umfeld sozial eingebunden zu sein (Freunde, Clubs, Vereine, gemeinnützige Gruppen, …).

In dasselbe Horn bläst auch Daniel Kahnemann, Psychologe und Nobelpreisträger für Ökonomie aus Princeton. Er meint, Glück erlebe man in Augenblicken, in denen man seine Aufmerksamkeit auf etwas Schönes, Angenehmes, Erfreuliches richte. Aber wie lange will man sich auf ein neues Auto, einen neuen Computer oder ein neues Handy konzentrieren? Der Umgang mit Freunden dagegen sei immer wieder neu und verfehle daher selten seine glücksfördernde Wirkung.

Übrigens: Schön zu sein, hat den Glücksforschern zufolge kaum Auswirkungen auf unser Glücklichsein, ebenso wenig wie eine hohe Bildung. Was allerdings sehr viel nutzt, ist die Fähigkeit, mit dem zufrieden zu sein, was gerade ist, sich von seinen Sorgen nicht unterkriegen zu lassen und gute Laune – sonnige Gemüter ziehen Glück magisch an!

P.S. Aktueller „Tabellenführer“ unter den glücklichsten Nationen ist Costa Rica mit einem Zufriedenheitsfaktor von 8.5 (von insgesamt 10). Dahinter folgen Irland, Norwegen, Dänemark, Kanada und Finnland. Österreich liegt gemeinsam mit Island, Neuseeland und Panama an guter 10. Stelle, die Schweiz an 14. und Deutschland etwas weiter abgeschlagen an 27. Position.

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Ismael |
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