Nicht alles braucht eine Erklärung

Warum immer Warum?

STOP making excuses

Einige jüngste Ereignisse haben mich auf etwas aufmerksam gemacht, das ich seitdem immer öfter wahrnehme: das Warum! Eine Verabredung wird von einem Freund abgesagt, und dann kommt „das große Warum“. Ein Termin in meiner Praxis wird annulliert, und dann kommt „das große Warum“. Unser Plan ins Kino zu gehen wird durchkreuzt, und dann kommt „das große Warum“. Ein Freund meldet, dass er möglicherweise seine Deadline nicht einhalten kann und Mithilfe braucht, aber nicht ohne „das große Warum“.

Je länger ich darauf spitze, desto deutlicher wird mir das Muster. Alle Aussagen, Änderungen, Entscheidungen scheinen ein Warum zu brauchen. Aber ist das auch so? Warum tun wir das so? Wir alle!

Es gibt für mich verschiedene Gründe, nicht länger an einem Warum zu hängen.

Erstens: es ändert nichts an der Tatsache, dass ein Versprechen gebrochen wurde. Die Tonscherben liegen – sozusagen – schon überall am Küchenboden. (Vorbild? Das junge Ehepaar hat das Ja-Wort ausgetauscht, und der Trauzeuge hat die Ringe zu Hause vergessen. Keine Erklärung wird ihm wahrscheinlich jetzt noch helfen!)

Zweitens: Wenn mir über das Warum ausführlich berichtet wird, wird damit gleichzeitig einen Appell an mich gerichtet, diese Begründung zu verstehen und damit einverstanden zu sein. Aber die Logik des Entschuldigenden ist nicht immer kompatibel mit meiner Logik. Die Tatsache verstehe ich, aber wenn ich den angeführten Grund nicht verstehe, was könnte das für mein Verständnis für die Tatsache bedeuten?

Drittens: Ob die Begründung jetzt wahr ist oder nicht, es droht immer die Gefahr, dass der Empfänger sich in Teile der angeführten Umstände einmischt, und er wird vielleicht versuchen, die Situation so zu verändern, dass es vielleicht doch noch geht. Aber der ‚Schuldige‘ braucht meist keine Lösung, er will nur Verständnis. Dieser Mangel ist umso peinlicher, wenn die erhaltene Begründung nicht die wirkliche ist, sondern einen Trugschluss.

Viertens: Manchmal gibt es keine Gründe. Ein- oder zweimal im Jahr hat mein ältester Sohn Lust auf einen Schwänztag. Das erlaube ich ihm. Ich rufe seine Lehrerin an und melde, dass er nicht zur Schule kommen wird. Wenn sie dann fragt, ob ihm etwas fehlt, bitte ich sie meist, mich nicht dazu zu bringen zu lügen. Das reicht dann.

Fünftens: Was wir mit unserem Bedürfnis nach einer Begründung eigentlich ausstrahlen ist, dass uns im Grunde nicht zu trauen ist oder dass wir keinen Grund haben, dem anderen Vertrauen zu schenken. Die Frage ist, ob wir uns eine derartige Welt kreieren möchten.

Und als Letztes: Auch mir gelingt es nicht immer, meinen Versprechen rechtzeitig nachzukommen. Wer bin ich, um von anderen immer eine Erklärung zu verlangen.

Seit mir dies mehr bewusst wurde, bin ich immer öfter damit zufrieden, keine Erklärung zu bekommen. Wenn ich jemandem vertraue, brauche ich auch gar keine Erklärung. Und wenn der Grund, den jemand anführen wollte (aber nicht auszusprechen braucht), nicht ganz der Wahrheit entspricht oder vielleicht ganz und gar gelogen ist, dann brauche ich mir darüber keine Gedanken zu machen oder zu versuchen, den Betrug offenzulegen.

Eine Erklärung ist nicht immer notwendig. Auch wenn du nichts (Schlimmes) zu verbergen hast, brauchst du nicht alles aufzudecken.

Ich habe gehört, dass der Dalai Lama einmal gesagt haben soll: Wenn dir jemandem eine Frage stellt, auf die du keine Antwort geben willst, stell‘ die Gegenfrage: „Warum willst du das wissen?“.

Aber warum dieser Artikel auf dieser Webseite?

Abstand zu nehmen von der Notwendigkeit, immer eine Erklärung zu geben oder zu verlangen, kann das Leben erleichtern. Es gehört zum Prinzip des leichten und glücklichen Lebens, es so zu nehmen wie es kommt. Und das hilft großartig, um ein glücklicherer Mensch zu sein.

Geht das nur mir so oder kennst du diese Warum-Sucht auch? Könntest du dir vorstellen, dass es ohne diese Verkrampfung viel leichter geht? Es würde mich freuen von dir zu hören, entweder als Kommentar oder per E-Mail. (info@stilles-glueck.net)

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Danke

lieber ewiger stundent, danke für deine erfrischende hinterfragung des "warums". damit wird wieder das prinzip von "momo" vom michael ende sehr deutlich unterlegt. momo ist einfach da.

wenderlin