Von Marshmallows, Erfolg, Genuss und Glück
Erstmals in den sechziger Jahren und später dann immer wieder, untersuchten Psychologen mit dem so genannten Marshmallow-Test die Fähigkeit von Vorschulkindern zur Selbstbeherrschung. Klingt nicht gerade nach bahnbrechenden, weltbewegenden Erkenntnissen. Dennoch werfen diese Studien sehr interessante Fragen auf, die direkt mit unserem Glücksempfinden zu tun haben. Aber der Reihe nach:
Der Marshmallow-Test
Jedes der meist vierjährigen Kinder wird in einen Raum mit einem Tisch, einem Stuhl und einer versteckten Kamera geführt. Vor sich hat es einen Teller mit einem lecker aussehenden Marshmallow stehen. Nun erklärt die Versuchsleiterin dem Kind, dass sie gleich den Raum für etwa 15 Minuten verlassen wird und das Kind zwei Möglichkeiten hat: es kann …
- den Marshmallow sofort genießen oder
- auf den Genuss verzichten und warten, bis sie wieder zurückkehrt – dann bekommt es als Belohnung einen zweiten Marshmallow dazu.
Und so lief das ab:
Das Ergebnis: 2 von 3 Kindern haben den Marshmallow gegessen, bevor die Versuchsleiterin zurückkam. Manche unmittelbar nachdem sie weg war, andere nach ein paar Minuten, und einige hielten es sogar 14,5 Minuten aus. Aber nur ein Drittel der Kinder konnte bis zum Ende, bis zur versprochenen Belohnung warten. So weit, so gut.
Marshmallows und Erfolg
14 Jahre später führte man unter den nunmehr 18-Jährigen eine Nachuntersuchung durch und stellte dabei folgendes fest: diejenigen, die damals als Kinder zum so genannten Belohnungsaufschub fähig waren (also die, die warten konnten, um 2 Marshmallows zu bekommen), bewältigten ihr Leben besser als jene, die den Sofort-Verzehr vorzogen. Sie waren konzentrierter, intelligenter, planvoller, stress-resistenter, zuverlässiger, selbstbewusster und sozial kompetenter. Umgekehrt fanden die Psychologen die Ungeduldigen als unsicher, unentschlossen, neidisch und stur.
Dieses Ergebnis rief die Ökonomen und Karrieristen auf den Plan, die lauthals die Erkenntnis verkündeten: „Der wichtigste Faktor für Erfolg ist – Selbstdisziplin!“. Oder anders gesagt: „Verzichte auf deine sofortige Belohnung und du hast mehr davon.“
Ein Beispiel: Ein Kunde kommt zu einem Verkäufer und teilt ihm seinen Kaufwunsch exakt mit. Der Marshmallow-Verkäufer erfülle, so die Theorie, den Wunsch und bedanke sich beim Kunden. Der Geduldige hingegen sage zum Kunden: ‚Lassen Sie mich ein paar Fragen stellen, damit ich feststellen kann, ob ihr Wunsch eine gute Wahl für Sie ist.‘ und verkaufe so auf Sicht mehr als der andere.
Es ginge also darum, auf einen relativ kleinen Sofortgewinn zugunsten einer besseren Zukunft zu verzichten. Bleiben wir bei der Wirtschaft: eine nachhaltige Entwicklung ist besser als kurzfristig in die Höhe schnellende Quartalszahlen. Sparen ist besser als die sofortige Befriedigung von Konsumwünschen auf Kosten von Kreditverpflichtungen.
Was nun: sofort genießen oder warten?
Das hat was für sich, oder? Andererseits … hebst du dir das Leckerste und Beste auf deinem Essensteller bis zum Schluss auf? So lange, bis es kalt ist? Findest du es klug, viel Geduld in eine ungewisse Zukunft zu investieren, und zwar auf Kosten des Augenblicks, den du dabei ungenutzt verstreichen lässt? Wie lange wirst du leben?
Wir bewerten in der Regel das „Später“ viel höher als das „Jetzt“. Kinder nicht. Sie genießen lieber genau hier und jetzt, als vielleicht später doppelt so viel. Denn: wer sagt schon, dass Mehr den Genuss erhöht? Wenn du dir jetzt schon ein gutes Leben leisten kannst, wird es dann mit doppelt so viel Einkommen doppelt so gut?
Oder sind gar unmittelbares Genießen und Glücklichsein, sowie nachhaltiger Erfolg bloß zwei Seiten derselben Medaille? Was meinst du?
Link:
http://www.ted.com/talks/lang/ger/joachim_de_posada_says_don_t_eat_the_m...

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Marshmallows und Erfolg
Wenn's denn so einfach wäre, das Thema "Glück" - "Belohnung" etc. einzuordnen. Die Psychologen ordnen ja gerne in die Schubladen und wir haben das ja auch nicht anders gelernt bzw. übernommen.
Ich bin der Meinung, daß es in unserem kleinen Leben tatsächlich um das JETZT geht, weniger um die Belohnung, denn ich glaube, daß sich beim JETZT-handeln, fühlen, spüren etc. unmittelbar die Belohnung einstellt und aus dem JETZT eben auch die Nachhaltigkeit entsteht. Denn bin ich im JETZT, sprich damit im Kontakt mit mir, dann bin ich auf nicht im Konsum bzw. der Sucht und merke wie wenig ich benötige um glücklich zu sein.
Im Marshmallows-Fall hat es wahrscheinlich schon gereicht zu spüren, daß ich warten kann - das gibt auch einen Kick - und 2 Marshmallosws sind nicht wirklich lustvoll...... so wie 2 Ferraris, 2 Yachten, 2 Frauen/Männer :-)) etc. Man kann das auch noch weiterspinnen, das 1.Auto, die 1.Yacht, das 1.Mal ..unwiederholbar vom Grundgefühl.
Das schon mal spontan zu dem gerade frisch Gelesenen. Fällt mir sicher noch mehr ein.