So tun als ob
Jedes Gefühl hat seinen spezifischen Ausdruck, der überall auf der Welt erkannt wird: Weinen bei Traurigkeit, Lächeln bei Glück, Zurückweichen bei Ekel oder Nicken bei Zustimmung. Der so genannten propriozeptiven Psychologie zufolge funktioniert dieser Prozess „Emotion -> Ausdruck“ auch in umgekehrter Richtung: Verhältst du dich bewusst auf eine bestimmte Weise, verändert das deine Gefühls- und Gedankenwelt. Anders gesagt: mit dem Ausdruck kommt die Emotion.
In einer Studie forderte man eine Gruppe von Personen dazu auf, die Stirn zu runzeln, während man eine andere Gruppe dazu anhielt, ein leichtes Grinsen aufzusetzen. Schon dieser einfache Akt des Gesicht-Verzerrens hatte einen überraschend großen Effekt auf die Stimmung der Teilnehmer. Unschwer zu erraten, dass die „Grinser“ sich weit glücklicher fühlten als die „Stirnrunzler“.
Teilnehmer einer anderen Studie sollten verschiedene Produkte, die sich über einen Computer-Bildschirm bewegten, visuell fixieren und schließlich bewerten, ob ihnen die Artikel gefielen oder nicht. Manche Dinge wanderten dabei auf dem Bildschirm auf und ab (was beim Beobachten ein unbewusstes Nicken hervorrief), während andere sich horizontal bewegten (und eine Kopfbewegung von einer Seite zur anderen erforderten). Wiederum wenig erstaunlich, dass die Probanden jene Produkte bevorzugten, deren Beobachtung eine „Ja“-Kopfbewegung provozierte.
Bleistift-Glück
Wir lächeln, wenn wir glücklich sind. Wir fühlen uns aber auch glücklicher, weil wir lächeln!
Dieser Effekt tritt sogar dann auf, wenn wir uns unseres Lächelns gar nicht bewusst sind. In den 80er-Jahren wurde die Hälfte einer Studiengruppe dazu angehalten, einen Bleistift so (quer) zwischen den Zähnen zu halten, dass er die Lippen nicht berührte. Die andere Hälfte hielt das Ende des Bleistifts nur mit den Lippen, ohne die Zähne zu berühren. Dann sollten sie beurteilen, wie lustig sie verschiedene Karikaturen fanden und einschätzen, wie glücklich sie sich fühlten.
Ohne es zu merken, hatten die „Nur mit den Zähnen“-Leute den unteren Teil ihres Gesichts zu einem Lächeln geformt, während die „Nur mit den Lippen“-Menschen die Stirn runzelten. Die Ergebnisse zeigten, dass alle tendenziell die Emotion erlebten, die mit ihrem jeweiligen Gesichtsausdruck verbunden ist. Die Lächler fühlten sich dementsprechend glücklicher und fanden die Karikaturen viel lustiger als die Stirnrunzler.
Andere Arbeiten wiesen nach, dass dieses gesteigerte Glücksempfinden nicht einfach sofort wieder schwindet, sobald man mit dem Lächeln aufhört. Es klingt nach und beeinflusst dabei vielerlei Aspekte unseres Verhaltens, beispielsweise eine bessere zwischenmenschliche Kommunikation oder ein wahrscheinlicheres Erinnern von glücklichen Lebensereignissen.
Wenn du dich aufmuntern willst, dann verhalte dich so, als ob du bereits glücklich wärst
Zusammengefasst lautet die Botschaft dieser Studien:
1. Lächle mehr
Stell‘ dir eine Situation vor, die ein echtes Lächeln bei dir hervorrufen würde (eine lustige Geschichte, eine nette Begegnung, ein sportliches oder berufliches Erfolgserlebnis). Dann lächle und halte den Ausdruck zwischen 15 und 30 Sekunden lang aufrecht.
2. Achte auf deine Körperhaltung
Eine Untersuchung von Tomi-Ann Roberts vom Colorado College ergab, dass Menschen, die drei Minuten aufrecht auf einem Stuhl saßen, sich glücklicher fühlten und geistig fitter waren als jene, die im gleichen Zeitraum verkrümmt herumlümmelten.
3. Handle so, als ob du glücklich wärst
Glückspilze bewegen sich einfach anders als Pechvögel: sie gehen entspannter, lassen ihre Arme etwas mehr schwingen und haben einen federnderen Schritt. Sie nicken mit dem Kopf, wenn andere sprechen und nutzen in Unterhaltungen ausdrucksvollere Handbewegungen. Sie tragen buntere Kleider. Sie verwenden häufiger positiv geladene, emotionale Wörter (Liebe, mögen, liebevoll, …) und seltener Selbstbezüge (ich, mir, mich, …). Sie variieren ihre Stimmlage, sprechen etwas schneller und schütteln Hände deutlich fester.
Zeig' uns doch dein bestes gestelltes Lächeln und lade dein Foto im Gute-Nachrichten-Blog hoch!

Dieser Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben