Mythos Milch
Das breite Feld der (optimalen, ausgewogenen) ‚Ernährung‘ ist in der Medizin trotz vielfältiger Forschungen noch immer nicht restlos geklärt. Das zeigt sich beispielsweise am Thema Osteoporose und dem Konsum von Milchprodukten.
Neben ausreichender Bewegung, Sonnenlicht, Zufuhr von Vitamin D und dem Vermeiden von Alkohol, Zigaretten und Kaffee empfiehlt unsere westliche Medizin zur Osteoporose-Prävention vor allem den Konsum von Milchprodukten. Sie zieht den einfachen Schluss:
In Milch ist viel Kalzium enthalten + Kalzium ist ein wesentliche Bestandteil der Knochen = Je mehr Milchprodukte, desto besser für die Knochen.
Immer wieder veranstaltete, von öffentlicher Hand unterstützte Kampagnen zur Bekämpfung von Osteoporose stimmen in den Kanon ein und preisen Milch als wichtigsten Kalzium-Lieferanten. Die milchverarbeitende Industrie hängt sich da gerne unter und versorgt uns mit kindgerecht designten Produkten, die extra viel Kalzium und Vitamin D enthalten, um den Grundstein für ein gesundes Knochenwachstum zu legen.
Falsche Töne im Milch-Orchester
Nun gibt es aber auch andere Stimmen und Erfahrungen, selbst aus dem medizinischen Bereich, die Milch zur Vorbeugung von Osteoporose für völlig ungeeignet halten. Im Gegenteil, dort wird die Meinung vertreten, dass ein übermäßiger Milchkonsum sogar dazu beiträgt, Kalzium aus dem Körper auszuschwemmen und somit Osteoporose noch zu fördern.
Die Begründung: Milch enthält viel Eiweiß. Nimmt man mit der täglichen Nahrung auch noch Fleisch und Eier zu sich, kommt man relativ leicht auf mehr Eiweiß als der Körper tatsächlich braucht. Als Folge muss der Organismus das überschüssige Protein loswerden und scheidet dabei auch viel Kalzium aus.
Der Wirkmechanismus ist dabei noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass tierisches Eiweiß im Übermaß zu einer Übersäuerung des Stoffwechsels führt. Um die überschüssigen Säuren zu neutralisieren und über den Urin auszuscheiden, verwenden die Nieren dann bevorzugt kalziumhältige Basen – und Kalzium wird vorwiegend aus dem Skelett bezogen, wo es in großen Mengen enthalten ist. Hält die proteinreiche Ernährung über lange Zeit an, kommt es zu einem ständigen Entzug von Kalzium aus den Knochen, was der Entstehung von Osteoporose Vorschub leistet.
Gegen den Mythos Milch in der Osteoporose-Vorbeugung spricht auch die viel geringere Häufigkeit der Knochen-Erkrankung in asiatischen Ländern. Dort hat Milch in der Ernährung weder Tradition noch Bedeutung. Dafür ist der Anteil an Gemüse, Obst und Vollkornprodukten in der Nahrung wesentlich größer als in westlichen Ländern.
Durch Ernährung vorbeugen
Was also tun, wenn man sich auch in hohem Alter noch gesunder Knochen erfreuen will? Wie in vielen Bereichen ist Ausgewogenheit ein guter Ratgeber. Jedenfalls heißt Mehr nicht automatisch Besser. Studien der Pennsylvania State University stellten nämlich fest, dass eine erhöhte Einnahme von Kalzium von bis zu 1.500 mg pro Tag (bei einer empfohlenen Tagesmenge von 800 – 1.000 mg) keine dauerhafte Auswirkung auf die Gesundheit der Knochen hat oder zu einem besseren Knochenwachstum bei Heranwachsenden führt (Pediatrics 2000).
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit reichlich Gemüse, Obst und Nüssen hält deine Knochen fit. So enthält beispielsweise ein Shake aus ungesüßter Reismilch mit Mandelmus, Bananen und Sesammus (auch Tahin genannt) weitaus mehr Kalzium als die gleiche Menge Kuh-Milch. Diese Zutaten erhältst du mittlerweile in vielen Naturkostläden oder gut sortierten Supermärkten.
Reduziere einfach ein wenig, nach und nach, und ohne Stress deinen Verzehr von proteinreicher Kost und stark säurebildenden Nahrungsmitteln: Fleisch, Wurst, Fast Food, Fertigprodukte, Schmelzkäse, Lebensmittel mit Weißmehl, raffinierte Fette, Koffein, Alkohol, ein Übermaß an Salzigem und raffiniertem Zucker und vor allem Cola-Getränke.
Eine Tasse Kaffee weniger am Tag und in den anderen ein Stück Zucker weniger, ist schon ein guter Anfang. Ab und an ein Frühstück mit Vollkornprodukten, Müsli und Kräutertee. Zwischendurch mal Vollkornnudeln und –reis probieren. Statt Chips am Abend zu ungesalzenen Nüssen greifen. Es geht in der Vorsorge nicht darum, deine Ernährung von heute auf morgen komplett umzustellen, sondern immer wieder mal etwas anderes zu versuchen und den Weg der kleinen Schritte zu kultivieren.
Durch Bewegung vorbeugen
Studienergebnisse zeigen, dass körperliche Bewegung womöglich der Schlüsselfaktor für den Aufbau starker Knochen ist. Eine im British Medical Journal veröffentlichte Studie, die 1.400 Männer und Frauen über 15 Jahre hinweg beobachtete, kam zu dem Ergebnis, dass Sport der beste Schutz vor Hüftfrakturen sein kann, und dass „die reduzierte Einnahme von Kalzium kein Risikofaktor zu sein scheint“. Eine andere Studie der Pennsylvania State University fand heraus, dass die Knochendichte deutlich davon beeinflusst wird, wie viel Sport im Teenager-Alter getrieben wird – in einer Zeit also, in der sich 40 – 50 % der Skelettmasse entwickelt.
Wie wär’s, gleich heute die Treppen hochzusteigen statt den Lift zu nehmen? Oder wenn du am Weg zur Arbeit öffentliche Verkehrsmittel benutzt, eine oder zwei Stationen früher auszusteigen und den Rest zu Fuß zu gehen?
Nach Feierabend oder am Wochenende nur 30 Minuten Nordic Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen? Oder JETZT gleich aufstehen und 10 Kniebeugen machen!
Wenn du aus eigener Erfahrung weißt, wie man seinen inneren Bewegungsmuffel am besten überwinden kann, dann lass‘ uns doch daran teilhaben. Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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Kontakte für Selbsthilfegruppen könnte man noch angeben
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Hallo Schrka,
danke für deinen Anregung! Laktose-Milcheiweiß-Selbsthilfegruppen gibt zahlreiche. Über deren Beratungs- und fachliche Qualität können wir keine Aussage abgeben. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland gibt es kleine, regional arbeitende Selbsthilfegruppen von einzelnen Betroffenen, diese findet man oft nicht im Internet sondern kann man bei den Gastro-Enterologischen-Ambulanzen der Spitäler erfragen.
Hier ist eine, sicher unvollständige, Übersicht für Österreich http://www.netdoktor.at/wegweiser/selbsthilfesuche/laktoseintoleranz/
Eine Übersicht für Deutschland http://www.medizin-netz.de/verzeichnisse/selbsthilfegruppen/
Da die größeren Selbsthilfegruppen in einem Land, oft auch international, vernetzt sind, macht es sicher Sinn bei den Kontaktadressen nach Gruppen in der eigenen Region nachzufragen.
Auch wir bleiben an diesem Thema dran und schreiben hier Ergebnisse ein.
Alles Gute
waldläufer