Ein Schnupperkurs in vier Kapiteln nach dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg

Mit Worten Frieden schaffen (2)

Mit Worten Frieden schaffen - Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg

Sehr oft, wenn wir über unsere Gefühle zu sprechen meinen, reden wir in Wirklichkeit darüber, wie wir diese Gefühle interpretieren und was wir darüber denken. Dabei wäre ein klares Erkennen unserer authentischen Gefühle ein Leuchtturm auf dem Weg zur Erfüllung unserer Bedürfnisse. Im 2. Teil dieses Schnupper-Kurses nehmen wir daher deine Gefühlswelt unter die Lupe …

Kapitel 2

Über GEFÜHLE und Verantwortung

Willkommen im zweiten Teil unseres Schnupperkurses!

Wie geht es dir gerade? ... „Gut“, „es geht“, „schlecht“, „so lala“ … ?

In unserer Alltagssprache sind wir es gewohnt, uns mit solchen oder ähnlichen Phrasen gegenseitig Auskunft über unser Befinden zu geben. Doch: was drücke ich damit aus?

Ich sage nichts über mein tatsächliches Gefühl, vielmehr bewerte ich mit ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ einen inneren Zustand.

In der Arbeit mit dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation wird die Fähigkeit gefördert, unsere Aufmerksamkeit auf das zu konzentrieren, was wir fühlen. Damit haben wir einen Wegweiser für unsere Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen.

Wenn wir sagen: „es geht mir gut“, könnte gemeint sein: ich bin glücklich, frei, leicht, freudig, froh, erleichtert, etc. – Bedürfnisse sind erfüllt.

Wenn wir sagen: „es geht mir schlecht“, wollen wir vielleicht ausdrücken, dass wir traurig, erschöpft, verzweifelt, gekränkt, betroffen, enttäuscht, etc. sind – Bedürfnisse sind unerfüllt.

Unsere Sprache macht es uns nicht leicht, auszudrücken, wie wir uns fühlen. Oft benutzen wir sogar das Wort „fühlen“, benennen dann aber nicht ein wirkliches Gefühl, sondern eine Interpretation davon, einen Gedanken, eine Wahrnehmung. Beispiele dafür:

„Ich habe das Gefühl, dass du es besser wissen solltest.“ - „ Ich habe das Gefühl, dass du mich über den Tisch ziehst.“ - „Ich fühle mich wie ein Versager.“ - „Ich fühle mich verraten, übergangen, ausgegrenzt, nicht geliebt……“

Bist du irritiert, weil du dachtest, wir sprechen bei solchen Aussagen über unsere Gefühle? Der feine und entscheidende Unterschied ist: wir sprechen mit oben Ausgedrücktem über sogenannte „Pseudogefühle“. Allgemein können wir sagen, dass Gefühle nicht klar ausgedrückt werden, wenn nach dem Wort „fühlen

a)  dass, wie, als ob kommt.
oder
b)  die persönlichen Pronomen ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie (z.B. ich habe das Gefühl, es ist sinnlos)
oder
c)  Namen oder Hauptwörter, die sich auf Menschen beziehen (z.B. ich habe das Gefühl, mein Chef manipuliert)

Noch ein Tipp: um das ursprüngliche Gefühl hinter einem „Pseudogefühl“ zu entdecken, kannst du dich zudem fragen:

„Was fühle ich, wenn ich denke, dass…“

Wenn wir wirklich ein Gefühl ausdrücken wollen, ist es nicht nötig, das Wort fühlen auszusprechen. Wir können sagen: „Ich fühle mich irritiert“ oder einfach „Ich bin irritiert“.

Erst einmal kurz durchatmen… und sickern lassen. Einverstanden?

Der Sinn von Gefühlen ist, dass sie uns als angeborenes Signalsystem darüber informieren, ob wir uns „im grünen Bereich“ befinden – oder etwas tun sollten, damit es uns besser geht.

Gefühle, die wir haben (können), wenn unsere Bedürfnisse erfüllt sind: verbunden, begeistert, glücklich, lebendig, sicher, zufrieden, überrascht, bewegt, berührt, erfüllt, …

Gefühle, die wir haben (können), wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt sind: sauer, verstört, unter Druck, traurig, einsam, verwirrt, betroffen, unruhig, ruhelos, …

Jede Form von Beziehungsgestaltung in unserem Leben ist beeinflusst und reguliert über den Ausdruck von Gefühlen. Unterstützend kann es also sein, einen Wortschatz zu entwickeln, mit dem wir unsere Gefühle klar und deutlich zu beschreiben lernen. Wenn wir über uns selbst Bescheid wissen, lebendige Gefühle und Bedürfnisse in uns erkennen und benennen, erhöht sich die Chance auf Motivation und Kooperationsbereitschaft im Miteinander.

Wir laden dich nun ein, die Fortsetzung vom ersten Teil dieses Schnupperkurses zu verfolgen und stellen anhand der angeführten Beispiele Schritt 2 der Gewaltfreien Kommunikation - die Gefühle - in die Szenen ein:

  • Die Welt ist böse, insbesondere mein Computer. Eine Datei ist verschwunden!
    Beobachtung: Ich finde die Datei nicht mehr.
    Gefühl: Ich bin getresst, unter Druck und verzweifelt!
    XXX
  • Die beim Handyanbieter sind so was von chaotisch und ungenau!
    Beobachtung: Ich habe beim Handyanbieter drei Mal die Daten korrigiert und nun habe ich neuerlich eine Rechnung mit einem anderen Betrag als vereinbart bekommen.
    Gefühl: Jetzt bin ich wirklich genervt, wütend und sauer!
    XXX
  • Von den rücksichtlosen Nachbarn ganz zu schweigen!
    Beobachtung: letzte Nacht gab es bis 4 Uhr am Morgen ein Fest im Garten, davon wusste ich nichts. Ich konnte nicht schlafen.
    Gefühl: Ich bin irritiert und müde und fühle mich irgendwie hilflos in dieser Sache ...
    XXX
  • Die anderen in der Gruppe sind einfach gemein – sie lassen mich hängen!
    Beobachtung: Ich erinnere mich an die Vereinbarung, dass wir in diesen Angelegenheiten im Team zusammenarbeiten. Seit einer Woche arbeite ich alleine an dem Akt.
    Gefühl: Ich fühle mich angespannt und frustriert!
    XXX
  • Mein Leben ist zu anstrengend!
    Beobachtung: Ich habe in den letzten Tagen jeweils 10 Stunden im Büro gearbeitet. Eines der Kinder wurde außerdem krank.
    Gefühl: Ich fühle mich sehr erschöpft und müde!
    XXX
  • Meine Anliegen sind sowieso jedem gleichgültig!
    Beobachtung: in der letzten Teamsitzung vor vier Wochen habe ich meine Anliegen an den Teamleiter zur Bearbeitung im Vorstand weitergegeben.  Bis heute habe ich keine Rückmeldung erhalten.
    Gefühl: Ich bin enttäuscht und unsicher!
    XXX
  • Hier sieht es aus wie in einem Schweinestall!
    Beobachtung: Wir hatten vereinbart, dass die Schuhe ins Regal gestellt und die Jacken auf den Kleiderhaken gehängt werden. Nun sehe ich, dass Schuhe und Jacken am Boden liegen.
    Gefühl: Ich bin wirklich müde in dieser Angelegenheit und genervt!
    XXX
  • Du bist viel zu großzügig!
    Beobachtung: Ich habe gerade bemerkt, dass du dem Straßenkünstler 20 Euro in den Hut gegeben hast.
    Gefühl: Ich bin irritiert und überrascht!
    XXX

GiraffenspracheWenn du Lust hast, in deinem „Gefühlsgarten“ ein wenig zu forschen, dann nimm´ dir eine aktuelle Situation in deinem Leben her und liste auf, wie du dich fühlst, wenn du dieses oder jenes beobachtest. Es kann dabei ein Gefühl lebendig sein, meist sind es jedoch mehrere Gefühle gleichzeitig, die aufflackern. Manchmal sogar sehr paradox zueinander wirkende Gefühle. Willst du deine Erfahrung teilen? Wir freuen uns auf dein e-mail und auf einen Austausch.

Übrigens: als Symbolfigur für die Gewaltfreie Kommunikation hat Marshall Rosenberg die GIRAFFE gewählt. Da der Weg vom Herzen (FÜHLEN) zum Kopf für die Giraffe sooo lang ist, entscheidet sie, im Herzen zu bleiben. In der Einfühlung für sich selbst und empathisch für die Anliegen von anderen Menschen. Wir nennen die Gewaltfreie Kommunikation auch die „Giraffensprache“.

Leben ist Jetzt!Giraffisch“ kannst du direkt, unmittelbar und lebendig in unseren Trainings weiterschnuppern und erlernen!

Auf ein Wiederlesen in der nächsten Runde in diesem Kurs
– zum Thema „Bedürfnisse“! 

Gewaltfreie Kommunikation in Gruppen und Seminaren direkt und lebendig erfahrbar
Birgit Aicher, Andrea Haneder
www.lebenistjetzt.at

 

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Image of Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens
Autor: Marshall B. Rosenberg
Publisher: Junfermann (2007)
Binding: Taschenbuch, 240 pages
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Manufacturer: Steinbach Sprechende Bücher
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Price: EUR 22,43
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Publisher: steinbach sprechende bücher (2008)
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