Über die Beziehung von Materialismus, Selbstwertgefühl und Glück

Mit einem Pappteller zu einem starken Selbstwertgefühl

© Ulla Trampert / PIXELIO, www.pixelio.de

Im 2. Teil von „Glück zum Kaufen“ haben wir festgestellt, dass materialistisch eingestellte Menschen weniger glücklich und zufrieden sind als jene, die Erfahrungen und Beziehungen einen höheren Stellenwert in ihrem Leben einräumen. Doch worin wurzelt ein materialistisches Weltbild und wovon wird es genährt? Oder anders gefragt: Was macht Menschen zu Materialisten?

Wie sich viele von euch denken werden, bildet sich eine materialistische Lebenseinstellung bereits in der frühen Kindheit aus. Die Psychologen Lan Nguyen Chaplin und Deborah Roedder John sind bei ihren Untersuchungen zu diesem Thema außerdem auf die Erkenntnis gestoßen, dass die Hauptantriebsfeder des Materialismus ein geringes Selbstwertgefühl ist.

 

Glücks-Collage

Zuerst ließen sie eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 18 Jahren einen standardisierten Fragebogen zu ihrem Selbstwertgefühl ausfüllen. Dabei wurden zum Beispiel Aussagen wie „Ich bin zufrieden mit meinem Aussehen“ oder ähnliches bewertet.

Anschließend bekamen die Kinder eine Auswahl verschiedener Bilder zu den Themen

  • Hobbys (z. B. Camping oder Skateboard fahren),
  • Sport (z. B. Fußball oder Tennis),
  • Menschen (z. B. Freunde oder Lehrer),
  • Leistungen (z. B. gute Noten bekommen oder ein Instrument spielen lernen) und zu
  • materiellen Gegenständen (z. B. neue Schuhe oder ein neuer Computer)

vorgelegt. Und zwar mit der Aufgabe, beliebige dieser Bilder zu einer Collage mit der Überschrift „Was mich glücklich macht“ zusammenzustellen.

Indem sie nun die Zahl der Bilder mit materiellen Gegenständen zur Anzahl der insgesamt verwendeten Bilder je Collage in Beziehung setzten, konnten die Wissenschaftler das Materialismus-Niveau jedes Kindes berechnen. Verglichen mit den Ergebnissen aus den Fragebögen ergab sich eine erstaunlich starke Verbindung zwischen Selbstwertgefühl und Materialismus: Je geringer das Selbstwertgefühl, desto materialistischer die Glücks-Collage - und vice versa.

Ein Pappteller für mehr Selbstwertgefühl

Oder verhielt es sich genau umgekehrt: verursacht Materialismus ein geringes Selbstwertgefühl? Um diese Frage zu beantworten, dachten sich die Forscher ein spannendes Experiment aus: Sie ließen die Kinder reihum nette Dinge übereinander auf Pappteller schreiben. Danach präsentierten sie jedem Kind seinen eigenen Teller, der nun mit viel Lob, Nettigkeiten und positiven Aussagen der anderen beschrieben war.

Dieser einfache Pappteller voll wertschätzender Rückmeldungen bewirkte zweierlei: er steigerte das Selbstwertgefühl der Kinder ganz deutlich und veranlasste sie in Folge, nur noch halb so viel materialistische Bilder für ihre Glücks-Collage zu verwenden!

Die Ergebnisse der genannten Untersuchungen sind demnach zwingende Belege dafür, dass ein geringes Selbstwertgefühl materialistische Tendenzen verursacht und dass diese in einem sehr frühen Alter begründet werden. - Viel entscheidender aber ist, dass es nur weniger Sekunden und eines einfachen Papptellers bedarf, um die Art und Weise zu ändern, wie wir denken und uns verhalten.

Wem könntest du heute etwas Nettes schreiben?

 

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Image of Wie Sie in 60 Sekunden Ihr Leben verändern
Autor: Richard Wiseman
Publisher: Fischer (Tb.), Frankfurt (2011)
Binding: Broschiert, 368 pages
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