Wie wir Nachrichten konsumieren und verdauen

Mahlzeit!

Foto: © Christian Evertsbusch / PIXELIO www.pixelio.de

Niemand, den ich kenne, würde freiwillig übel riechendes, scheußlich schmeckendes, unverdauliches oder stark verwürztes Essen zu sich nehmen. Oder Nahrung, die sich nach ihrem Verzehr wieder lautstark zurückmeldet – mit Aufstoßen, Blähungen oder leiser durch Sodbrennen, lähmender Müdigkeit, vielleicht sogar Übelkeit. Und erst recht niemand würde das regelmäßig tun.

Im Grunde genommen stehen wir alle auf schmackhafte, wohl duftende, farbenfroh servierte Mahlzeiten, die sowohl unseren Sinnen als auch unserem Körper eine genussvolle Erfahrung bescheren. Wie wichtig uns das Thema Nahrung ist, zeigt sich ja auch an der schier unübersehbaren Auswahl an Kochbüchern, Ratgebern, TV-Shows, Ernährungs-Coaches, Kochkursen etc.

Und das ist gut so! Schließlich wird das Essen in unseren Körper eingebaut oder andersrum: Wir bauen uns im Bedeutungssinn des Wortes buchstäblich aus unserem Essen auf. Aber nicht nur der Körper – auch unsere Stimmungen, unsere Abwehrkräfte oder unsere Gehirnleistung werden durch unsere Nahrung maßgeblich beeinflusst.

Gesundes, lebensförderndes Essen bedarf oft einiger Planung, immer einer gewissen Achtsamkeit und manchmal auch des Verzichts. Auf schlechtes Essen zum Beispiel.

Du denkst, hier geht es ums Essen?

Nein, ich rede von unserem Konsum an Nachrichten aus Fernsehen, Radio, Internet und Printmedien. Ich schätze, 80 % der Menschen nehmen ihre „Nachrichten-Mahlzeiten“ völlig ungefiltert zu sich. Das ist ungefähr so, als ob wir alles schlucken würden, was uns an Essbarem angeboten wird.

Der Vergleich mit einem Müllschlucker ist hier absolut angebracht. Immerhin sind durchschnittlich mehr als 80 % der Nachrichten „bad news“. Mahlzeit! Dabei steckt für 99 % der Nachrichten-Konsumenten in der ausführlichen Lokal-Reportage über den Einbruch in einer Siedlung keine verwertbare Information dahinter - auch nicht in Metaebenen -, die nicht schon bekannt ist. Außerdem haben Nachrichten eine hohe Redundanz – dieselben Meldungen werden häufig von allen Sendern wieder und immer wieder gebracht. Wiederholung schafft Wirklichkeit.

Mach‘ doch selbst den Praxistest:

  • Nimm einen dicken Stift und streiche in einer Tageszeitung alle schlechten Nachrichten, Katastrophenmeldungen und negativen Inhalte durch. Was bleibt übrig?
  • Dann eliminiere zusätzlich alle neutralen Meldungen und die Werbung. Wie viele positive, erfreuliche Informationen sind stehen geblieben? Und wie ist ihr Verhältnis zu den gestrichenen?

Nachrichten und unser Bild von der Wirklichkeit

Schlechte Nachrichten lenken den Fokus unserer Aufmerksamkeit durch Wiederholung und die Art ihrer Präsentation (Schlagzeilen, Newsflash, dramatisch übersteigerte Wortwahl) auch auf die weniger erfreulichen Ereignisse in unserem Leben. Unsere Wahrnehmungsfilter selektieren also aus dem Gesamtbild dessen, was wir täglich erleben, vorrangig das Negative heraus. Ganz gleich, ob wir davon betroffen sind oder nicht. Und das verzerrt unser Bild von der Wirklichkeit und beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln.

Wie leicht ergeben wir uns dann doch einer pessimistischen Grundstimmung. Das Glas ist halb leer. Wir lachen weniger. Die Zukunft ist nicht mehr ein Ort voller Möglichkeiten und Chancen, sondern ein Sack, aus dem Gefahren und Fallen hervorquellen. Die Welt um dich wird monochrom – selbst das Grün der Ampeln wird als Rot wahrgenommen, eine witzige Bemerkung als persönliche Beleidigung aufgefasst …

Wenn wir dann in Folge ängstlich, misstrauisch und verschlossen auf Situationen und Begegnungen zugehen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass uns ebenso verschlossen begegnet wird und wir viele Chancen gar nicht erst erkennen (siehe auch „Die Natur des Glücks“).

Im Extremfall sind sogar schlechtere Immunwerte möglich. Gary Null schrieb dazu: "Ich habe die ganze Literatur über Psycho-Neuro-Immunologie durchforstet und dabei mehr als genug Artikel gefunden, die darlegen, wie alle quantitativ messbaren Immunwerte - natürliche Killerzellen, T-Zellen, Phagozyten etc. - sinken, wenn man einem Menschen schlechte Nachrichten überbringt.“

Wahrnehmung ist emotional

Beispiel Urnengang: Wir treffen Wahlentscheidungen mehrheitlich emotional. Sympathie kommt vor Wahlprogramm. Deshalb wird das Image eines Kandidaten strategisch erarbeitet, bis ins Detail geplant und schließlich über längere Zeit in den Medien getrommelt. Nachrichten und Botschaften werden gezielt manipulativ eingesetzt.

Lässt du dich gerne manipulieren? Ich nicht! Denkst du, dass dir die Medien die Arbeit des Filterns abnehmen und genügend Informationen bereitstellen, damit du dir ein ausgewogenes, neutrales Bild machen kannst? Ich nicht! Achte bei der nächsten Wahl darauf, wie oft die dargebotenen Themen um Nebenschauplätze wie Interpretationen von Aussagen oder das Auftreten in der Öffentlichkeit kreisen und wie oft konkrete Lösungen und Wahlprogramminhalte vertieft diskutiert werden.

Objektiv-Wechsel

Ein Lachen zwischendurch ...Es führen unterschiedlichste Pfade weg von der selektiven Wahrnehmung negativer Schwerpunkte, hin zur Wahrnehmung von Positivem, zum Glücklichmachenden, zum Raumgebenden und zur größeren Entscheidungsfreiheit.

Ein Beispiel aus der Fotografie zeigt hier den Weg: Ich habe ein Panorama vor mir im Blickfeld und einen Fotoapparat mit starkem Tele. Mit diesem kann ich einen ganz kleinen Bildausschnitt ins Objektiv holen. Mehr Gelegenheiten zu bekommen heißt jetzt, das Weitwinkel zu aktivieren, also offener zu werden. Im großen Überblick kann ich das Negative zwar nicht ausblenden (verdrängen), aber ich kann ihm kein Gewicht geben, es nicht heranzoomen, den Wahrnehmungs-/Bildausschnitt nicht so vergrößern, dass nur mehr das Negative sichtbar ist.

Umgelegt auf die Verarbeitung von Nachrichten bedeutet das:

  • Gib negativen Meldungen keinen Raum. Erkenne sie bereits beim Überfliegen und lies sie bewusst nicht.
    Thematisiere in Gesprächen keine schlechten Nachrichten. Menschen mögen lieber schöne Geschichten, sie wirken aufbauend, und du bleibst als positiver Mensch in Erinnerung.
  • Finde an jeder schlechten Nachricht mindestens eine gute dazu. Wenn bei einem Unglück zahlreiche Menschen ums Leben kommen – wie viele wurden gerettet? Wenn ein Zug entgleist – wie viele Millionen Reisende kommen weltweit täglich sicher und gesund an ihr Ziel?
  • Suche in allen Medien, die du konsumierst, gezielt nach guten Nachrichten. Und erzähle sie weiter (zum Beispiel in unserem Gute-Nachrichten-Blog).
  • Markiere alle gelesenen Nachrichten mit einem Stimmungsbarometer (z. B. ++, +, 0, -, --), um mehr über dein „Konsumverhalten“ herauszufinden.

Egal ob du im Mittelpunkt steht oder nur Beobachter bist: Entdecke im täglichen Leben die vielen kleinen glücklichen Momente. Sie sind da, überall! Ein altes, Händchen haltendes Paar, das von Herzen kommende Lächeln der Verkäuferin beim Einkaufen, die Zuversicht vermittelnde Krankenschwester bei der Untersuchung, der auf einen Nachlaufenden wartende Busfahrer, der Fremde, der dir bei strömendem Regen eine Platz unter seinem Schirm anbietet, ein aufmunterndes Wort, ein Kompliment, …

Und dann teile diese Erlebnisse. Schreib‘ sie in dein Glückstagebuch oder den Gute-Nachrichten-Blog. Und warte ab, was passiert …

 

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