Warum die Welt so ist, wie sie ist

Ismael

Foto: jensman, „Ich bin der Chef (Korrektur)“, CC-Lizenz (BY 2.0), http://creati

Wir halten uns für die Krone der Schöpfung. Für die einzigen intelligenten, sich ihrer selbst bewussten Wesen im Universum (zumindest weit und breit). Wenn wir als solche einen Bilanzstrich unter unsere bisherige Entwicklung ziehen und uns fragen, was wir mit unserer überragenden Intelligenz erreicht haben, was können wir dann für uns verbuchen?

Betrachten wir es doch ganz nüchtern und ohne erhobenen Zeigefinger: Wir haben ein Finanzsystem geschaffen, das an immer neuen Stellen kollabiert. Wir glauben, unsere Wirtschaft könne – nein: müsse ständig wachsen, um der ebenso wachsenden Bevölkerungszahl Nahrung und Wohlstand zu bieten (In Wirklichkeit wächst die Armut auch in den Erste-Welt-Ländern, die Arm-Reich-Schere geht immer weiter auseinander: 50 % der Weltbevölkerung gehören nur 1 % des Weltvermögens!).

Dazu kommt: Wachstum auf einem räumlich begrenzten Planeten hat seinen Preis. Wir dezimieren kontinuierlich die Vielfalt der Arten, zerstören unseren Lebensraum, vergiften unsere Umwelt, führen Kriege und glauben dennoch, alles werde irgendwie und irgendwann wieder gut.

Nur ein Beispiel:
8 % der Erdoberfläche werden von Wald bedeckt.
25 % der Erdoberfläche werden von im Meer treibendem Plastikmüll bedeckt!
(Quelle: Die Welt in Zahlen; siehe Buchtipp am Ende des Artikels)

Und auf persönlicher Ebene? Wir leiden an immer neuen Krankheiten, sind unzufrieden und depressiv, weil uns unser Leben leer erscheint, betäuben uns mit Drogen, schlagen die Zeit mit sinnentleerten Dingen tot, bringen uns gegenseitig um.

Es scheint, als hätten wir nicht die leiseste Ahnung, wie wir leben sollen. Wir streiten darüber, was richtig und falsch ist, was erlaubt und verboten sein sollte. Wir brauchen andere (Gesetzgeber, Kirchen, Propheten, …), die Regeln für unser Leben - meist willkürlich und ohne jeden Erfahrungshintergrund - erfinden, ohne diese zu hinterfragen (wir können uns beispielsweise zu Tode trinken, aber wenn wir beim Rauchen von Marihuana erwischt werden, landen wir vor Gericht). Wir suchen uns regelmäßig neue Religionen, um Halt und Sinn zu finden ...

Wie intelligent ist das?

Der ehemalige Trappistenmönch Daniel Quinn hat sich 15 Jahre lang mit diesen Fragen beschäftigt. Herausgekommen ist dabei sein Roman „Ismael“, der 1991 mit dem höchstdotierten Literaturpreis Amerikas, dem Ted Turner Award, ausgezeichnet wurde.

Ismael ist ein Gorilla, der mit der Zeitungsanzeige „Lehrer sucht Schüler mit ernsthaftem Verlangen, die Welt zu retten.“ einen von den Versuchen der 68er enttäuschten Mann anzieht, mit dem er über den Zustand der Welt philosophiert. Schritt für Schritt erhellt der Affenlehrer seinem Schüler die Rätsel menschlichen Verhaltens und Strebens unter einem neuen Licht.

Dabei sind die Ausführungen Ismaels nie anklagend – sie erklären vielmehr den Lauf der Geschichte und unserer Kultur aus einer völlig neuen Perspektive. Eine Perspektive, die wir zwar ständig vor Augen haben, aber aufgrund unserer Betriebsblindheit – der Selbstverständlichkeit unserer Weltanschauung – nie wahrnehmen. Und genau diese Betriebsblindheit verhindert Lösungen für viele Probleme unserer Zeit.

Für Ismael ist klar: was nichts verändert ist, wenn wir uns selbst anklagen, bis wir uns dumm und schuldig vorkommen. Eine Weltuntergangsvision hilft niemandem. Die besten Absichten, die Umweltverschmutzung zu verringern und den Müll zu sortieren, sind ehrenvoll - aber wenig inspirierend.

Was wir wirklich brauchen, ist eine begeisternde und mitreißende Vision von der Welt und uns selbst, ein neues Drehbuch für unsere Zukunft. Dieses Buch ist ein Anfang.


Foto: jensman, „Ich bin der Chef (Korrektur)“, CC-Lizenz (BY 2.0), http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

 

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Image of Ismael
Autor: Daniel Quinn
Publisher: Goldmann (2009)
Binding: Taschenbuch, 256 pages
Image of Die Welt in Zahlen 2010
Autor:
Publisher: Tredition (2009)
Binding: Broschiert, 256 pages
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