Glück zum Kaufen (Teil 2)
Im ersten Teil von Glück zum Kaufen ging es um die Frage, ob und wie es sich auf unser Glücksempfinden auswirkt, wenn wir uns neue Dinge oder Erlebnisse kaufen. Heute hinterfragen wir den alten Sinnspruch „Geben ist (glück-) seliger denn Nehmen“ …
Es gibt Menschen, die sind selbstbezogen und opportunistisch. Zuerst kommt der Eigennutz, dann lange nichts. Das neueste Handy steht mit einer Spende für bedürftige Kinder nicht in Diskussion. - Bitte versteh’ mich richtig: das ist als sachliche Aussage gemeint, nicht als Verurteilung.
Es gibt Menschen, die dem Erwerb von Besitztümern einen hohen Wert beimessen. Sie beurteilen ihren eigenen Erfolg wie auch den von anderen vorrangig nach ihrem Hab und Gut. Wir nennen sie Materialisten. Auch das ist nicht als Wertung gemeint.
Materialismus und Glück
Wissenschafter haben sehr viel Zeit damit verbracht, um die Beziehung zwischen dem Grad der materiellen Einstellung dieser Menschen mit ihrem Glücksempfinden zu untersuchen. Die Ergebnisse sprechen alle dieselbe Sprache: Materialisten neigen zu Selbstzentriertheit und geben im Durchschnitt dreimal so viel für sich selbst aus wie für andere. Und sie sind dabei tendenziell unglücklicher und unzufriedener als Menschen, die Erfahrungen und Beziehungen höher bewerten als Besitztümer.
Das gilt natürlich nicht für jeden Einzelnen. Doch Richard Wiseman, auf dessen Meta-Forschung dieser Bericht beruht (siehe Buchtipp am Ende des Artikels), warnt mit einem Augenzwinkern vor Selbstbetrug: Psychologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass wir uns immer, wenn wir mit negativen Testergebnissen konfrontiert sind, außergewöhnlich gut selbst überzeugen können, eine Ausnahme von der Regel zu sein.
Einnahmen, Ausgaben und Glück
Wenn uns das Anhäufen von Besitz also nicht glücklicher macht (wer hätte das geglaubt?), haben wir dann vielleicht mit freiem Geben und Schenken mehr Erfolg? In der Tat kommt Elizabeth Dunn von der University of British Columbia nach mehreren aufwändigen Untersuchungen zur Beziehung zwischen Einkommen, Ausgaben und Glücksempfinden zu einem klaren Resümee:
Diejenigen, die einen höheren Prozentsatz ihres Einkommens für andere verwendeten (Geschenke,
Spenden) waren weitaus glücklicher als jene, die es für sich selbst ausgaben.
Sofort meldeten sich die Skeptiker zu Wort und zweifelten die richtige Einschätzung von Ursache und Wirkung an. Macht es wirklich glücklich (Wirkung), Geld für andere auszugeben (Ursache) oder ist nicht vielmehr umgekehrt: dass glückliche Menschen (Ursache) einfach mehr für andere tun (Wirkung)? Aber auch diesen Einwand konnte Dunn mit einem raffinierten Experiment ausräumen.
Warum ist Geben glückbringender als Nehmen?
Wenn unsere grundlegendsten Bedürfnisse befriedigt werden (z. B. beim Essen schmackhafter Nahrung oder durch Wertschätzung, die wir von anderen erfahren), aktiviert das zwei evolutionär sehr alte, tief in unserem Gehirn gelegene Regionen: den Nucleus caudatus und den Nucleus accumbens („Belohnungssystem“).
Der Neuroökonom William Harbaugh von der University of Oregon hat nun mittels Gehirnscanner nachgewiesen, dass diese Gehirnregionen ebenfalls aktiv werden, wenn unser Geld Bedürftigen zukommt (z. B. durch einen Solidarbeitrag) – und ganz besonders aktiv, wenn wir freiwillig Geld spenden!
Es scheint also eine gehirnbasierte Verbindung zwischen unserem Glücksempfinden und altruistischem Verhalten zu geben. Mit anderen Worten: anderen zu helfen hat eine direkt Wirkung auf unser Gehirn, welches uns wiederum mehr Glücksgefühle vermittelt.
Dabei muss es sich nicht mal um Geld handeln, das wir anderen zugutekommen lassen. Die Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky hat eine Gruppe von Menschen dazu motiviert, über einen Zeitraum von insgesamt sechs Wochen hinweg, wöchentlich 5 nicht-finanzielle Akte der Freundlichkeit zu vollbringen. Und zwar einfache Dinge, wie einem Freund helfen, Blut spenden, eine kleine Dankeschön-Notiz schreiben etc.
Einige Teilnehmer verteilten ihre guten Taten auf die ganze Woche, andere vollzogen sie alle am selben Tag. Interessant ist, dass die täglichen Akteure der Freundlichkeit eine geringe Steigerung ihres Glücksempfindens aufwiesen, während die Alles-an-einem-Tag-Gönner das ihre um unglaubliche 40 % hoben!
Wie auch immer: Geben ist ein Segen, wenn es um unser Glück geht (siehe auch: Das Glücksprinzip). Dabei können sogar kleinste Geschenke rasch zu erstaunlich großen und lang anhaltenden Veränderungen des Glücksempfindens führen.
Schreibe uns doch auch deine Erfahrungen mit Guten Taten im Gute Nachrichten-Blog – wir freuen uns!

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