Glück zum Kaufen (Teil 1)
Kann man Glück kaufen? - Bevor du jetzt empört verneinst: hier geht es nicht darum, ob man Geld braucht, um glücklich zu sein. Es geht um die Frage, ob du Geld so verwenden kannst, dass es dein Glücksempfinden deutlich steigert…
Lass mich dennoch mit der Frage beginnen, ob mehr Geld bzw. die Erfüllung finanzieller Sehnsüchte eine Voraussetzung zum Glücklichsein sind. Eine Menge Umfragen deuten nämlich darauf hin, dass wir das zumindest glauben.
Der Mythos vom Lotto-Gewinn
Um herauszufinden, was mit unserem Glücksempfinden geschieht, wenn sich unsere finanziellen Träume verwirklichen, hat der Psychologe Philip Brickman in den 70ern eine bemerkenswerte Untersuchung angestellt. Er wollte wissen, ob ein großer unerwarteter Gewinn unser Glück nachhaltig steigern kann oder ob wir uns so schnell an unser neues Vermögen gewöhnen, dass es zu etwas Alltäglichem wird, das uns nicht mehr sonderlich berührt.
Zu diesem Zweck kontaktierte er eine Reihe von Menschen, die den Hauptpreis in der Staatslotterie gewonnen hatten (darunter einige, die den Jackpot von 1 Million Dollar knackten) – und als Kontrollgruppe zufällig ausgewählte Leute aus dem Telefonbuch. Er befragte alle nach dem Grad ihres augenblicklichen Glücks und ihrer Einschätzung danach, wie glücklich sie in Zukunft zu sein glaubten. Außerdem wollte er wissen, wie groß ihre Freude ist, die sie bei den Vergnügungen des Alltags empfinden (also z. B. wenn sie sich mit Freunden gut unterhalten, einen lustigen Witz hören oder ein Kompliment bekommen).
Um es kurz zu machen: die Lottogewinner waren um keinen Deut glücklicher als die „Normalbürger“, auch nicht, was ihre Zukunftsprognosen betraf. Einen signifikanten Unterschied gab es allerdings – die Nicht-vom-großen-Geld-Gesegneten bezogen wesentlich mehr Freude und Vergnügen aus den einfachen Dingen des Lebens!
Self-Made-Millionen
Könnte dieses Ergebnis damit zusammenhängen, dass wir vielleicht unterschwellig glauben, ein geschenktes Vermögen nicht verdient zu haben? Ein anderer Psychologe, Ed Diener von der University of Illinois, hat sich mit Menschen beschäftigt, die ihren Reichtum mit eigenen Händen erarbeitet haben. Mit demselben Resultat: selbst die 100 reichsten Personen auf der Forbes-Liste sind nur geringfügig glücklicher als der Durchschnitts-Amerikaner.
Wenn du den Beitrag „Wo das Glück zuhause ist“ gelesen hast, kennst du das ja schon: Einige Studien führten groß angelegte, internationale Umfragen durch, in denen man Leute ihr Glücksempfinden einschätzen ließ (auf einer 10-Punkte-Standardskala von ‚sehr glücklich‘ bis ‚sehr unglücklich‘) und den durchschnittlichen Glückswert pro Nation mit ihrem Bruttosozialprodukt (BSP) verglich.
Fazit: natürlich fühlen sich Menschen in sehr armen Ländern nicht so glücklich wie jene in den reicheren Industrienationen – doch der Unterschied verschwindet, sobald ein Staat ein verhältnismäßig bescheidenes BSP erreicht hat. Dasselbe gilt übrigens auch für den einzelnen Haushalt, wenn es um die Beziehung zwischen Glücksempfinden und persönlichem Einkommen geht. Kann man sich die notwendigen Dinge des Lebens leisten, dann führt eine Gehaltserhöhung nicht automatisch zu mehr Glück.
Gewöhnungs-Effekt und Erlebnis-Faktor
Der Grund dafür liegt zum Teil darin, dass wir uns sehr schnell an Besitz gewöhnen. Ein neues Auto, die größere Wohnung, das aktuellste High-Tech-Spielzeug, … - das alles bringt uns zwar einen kurzfristigen Wohlfühl-Schub, aber eben nicht dauerhaft. Unsere Freude am neu Erworbenen sinkt viel rascher als uns lieb ist wieder auf das Niveau vor dem Kauf zurück. Der Psychologe David Myers drückt es so aus: „Dank unserer Fähigkeit, uns an immer größeren Ruhm und Reichtum anzupassen, können die Luxusgüter von gestern schon bald zu den Notwendigkeiten von heute und den Altlasten von morgen werden.“
Wenn also das neue Paar Schuhe nicht dazu führt, dass wir uns dauerhaft besser fühlen, was dann? Die Psychologen Leaf Van Boven und Thomas Gilovich haben in zwei Studien eine klare Antwort gefunden (To do or to have: That ist the question, Journal of Personality and Social Psychology, 2003): Die sinnvollste Möglichkeit Geld auszugeben, um sowohl unser kurz- als auch unser langfristiges Glücksempfinden zu steigern liegt darin, in Erlebnisse zu investieren.
Essen gehen, ein Konzert besuchen, Theater, Kino, Urlaub, Tanzen lernen, Fallschirmspringen, … - Während Güter die Tendenz haben, ihre Anziehungskraft zu verlieren (weil sei alt werden, sich abnutzen oder nicht mehr aktuell sind), werden Erinnerungen an Erlebnisse mit der Zeit leicht verzerrt: man streicht beispielsweise den furchtbaren Flug aus seinem Gedächtnis und erinnert sich nur noch an die glückseligen Momente der Entspannung am traumhaften Palmenstrand.
Außerdem und vor allem fördern Erlebnisse eine der effektivsten Verhaltensweisen, um Glücksgefühle zu produzieren: Zeit mit anderen zu verbringen. Geselligkeit kann dabei Teil der Erfahrung selbst sein oder eine Folge davon, wenn man seinen Freunden hinterher davon erzählt.
Im zweiten Teil, der nächste Woche erscheint, untersuchen wir, was an der alten Volksweisheit „Geben ist seliger denn Nehmen“ wirklich dran ist.

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geld macht nicht glücklich, doch es beruhigt die nerven :-)