Von gebrauter Limonade, Stillen Taten und warum es Stilles Glück überhaupt gibt

Die Geschichte vom Stillen Glück

Stilles Glück

Vor etwa zwei Jahren stieß ich auf die Geschichte der Bionade. In Österreich noch kaum bekannt, wird diese biologische Limonade in Deutschland schon vielerorts als „Coca-Cola des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet.

Das Besondere an dem alkoholfreien Erfrischungsgetränk ist, dass es wie Bier durch Fermentation (Vergärung) hergestellt wird. Im Unterschied zum Gerstensaft entsteht durch den Einsatz eines speziellen Enzyms allerdings kein Alkohol. Dazu kommt: sämtliche Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs werden ausschließlich aus biozertifizierten Rohstoffen gewonnen.

Neben der spannenden Unternehmensgeschichte faszinierten mich vor allem die kreativen Ideen des Bionade-Marketings. In ihrer ersten echten Werbekampagne griffen die Bionade-Macher die Bio-Welt als zentrales Leitmotiv auf. Ihr Slogan: „Das offizielle Getränk einer besseren Welt“. Ziemlich schlau, denn wer möchte schließlich nicht in einer besseren Welt leben?

Eine bessere Welt

Die Kampagne ging aber über eine reine Bio-Werbung weit hinaus. Sie regte die Kunden dazu an, selbst aktiv zu einer besseren Welt beizutragen. Dazu verwiesen Plakate – die Bionade dezent im Hintergrund haltend – auf ein Webportal namens „Stille Taten“.

Mittlerweile offline, wurde man auf „Stille Taten“ inspiriert, anderen in anonymisierter Weise eine kleine Freude zu bereiten. Und zwar einfach so, ohne Anspruch darauf, als Wohltäter bekannt zu werden.

Zum Beispiel: Dem Nachbarn den Schnee vom Auto räumen, während dieser noch schläft. Einen ausgefüllten und bezahlten Lottoschein in einer Restaurant-Serviette verstecken und dem nächsten Gast hinterlassen. In einer Warteschlange vor der Kinokasse eine sympathische Person weiter hinten in der Reihe aussuchen und deren Kinokarte bezahlen – die der Kassier dann dem überraschten Besucher überreicht. Oder hier:

Die Geschichten zu den einzelnen Taten, Dankesschreiben der Beschenkten an ihre unbekannten Gönner und eine Menge Anregungen wurden dann von der Community fleißig auf „Stille Taten“ gebloggt. Was wiederum, einem altruistischem Schneeball-Effekt gleich, zu neuen Stillen Taten anregte. Vorbild für diese Aktion war übrigens die Seite „Ssssh!“ aus den USA.

Ein besseres Leben

Eine schöne Idee, die an den Film „Das Glücksprinzip“ erinnert und viele Menschen dazu motivierte, mehr Freude, Philanthropie und strahlende Augen in die Welt zu zaubern. Wie sehr wir uns für andere engagieren können, zeigt ja auch immer wieder unsere hohe Spendenbereitschaft in Katastrophenfällen.

Doch bei all den herzerwärmenden Geschichten blieb etwas offen für mich, drängte sich ein naheliegender Gedanke auf:
Und wer ermuntert uns dazu, uns selbst etwas Gutes zu tun?
Unser eigenes Leben ein Stückchen glücklicher zu gestalten?

Ich kenne einige Menschen, die immer für alle da sind, wenn sie gebraucht werden (manchmal auch, wenn sie nicht gebraucht werden) – nur für sich selbst nicht. Das nennt man dann wohl Aufopferung. Doch bei aller Nächstenliebe: Ist damit wirklich jemandem gedient? Braucht es tatsächlich Opfer für eine bessere Welt?

Absurd, wie ich meine, denn: Nur wenn es dir selbst gut geht, kannst du bei deinem Engagement für andere aus dem Vollen schöpfen!

Mit anderen Worten: wenn es den Empfängern guter Taten nur deshalb besser geht, weil ihre Wohltäter ihre eigenen Bedürfnisse missachten, haben wir ein Null-Summen-Spiel. Nichts hat sich wirklich verändert. Doch wenn wir zuerst auf uns selbst achten und ein Stück mehr zu dem Menschen werden, der wir sein wollen, verändert sich alles. Dann haben wir nicht nur unbegrenzte Ressourcen, um uneigennützig für andere da zu sein, dann werden wir auch zu leuchtenden Vorbildern, die einen natürlichen Sog erzeugen. Einen Sog in Richtung bessere Welt.

Tja, und deshalb gibt es Stilles Glück. Weil es dich dazu inspirieren will, dein Leben – und bitte lass‘ mich an dieser Stelle ein bisschen poetisch werden – in eine blühende Blumenwiese zu verwandeln.

 

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