Dein ICH als Marke
„Wer nur um Gewinn kämpft, erntet nichts, wofür es sich lohnt zu leben.“ meinte Antoine de Saint-Exupéry. Eigentlich eine simple Erkenntnis: Wenn der Markt mit seinen Gesetzen aus Angebot und Nachfrage das ICH nicht glücklich machen kann, dann setzen wir doch das ICH in den Mittelpunkt - und schauen, wie sich der Markt danach richtet…!
Ein Beitrag von Manfred Greisinger, erschienen in der Zeitschrift WEGE (siehe Kontaktinfos und Angebot am Ende des Artikels)
Wo hat sie uns denn hingebracht, die „alte Wirtschaft“: zum Stress als Statussymbol, zu Verdrängung und k.o.-Wettbewerb, zu Gerichtsprozessen und Steuernachzahlungen, zu Herzinfarkten, Depressionen, Burn-out und Körperkorrektur-OPs, zur Regentschaft der Quote. Was nicht gekauft wird, fliegt raus. Das gilt auch für den Menschen, die Arbeitskraft. Das Problem am alten Wirtschaften ist, dass es ständig das „Mehr“ braucht. Die „Shareholder“ wollen immerzu steigende Gewinne. Internationale Investoren üben enormen Renditedruck auf die Unternehmen aus, mit der Wirkung, dass viele, viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Kapitaleigner wollen eine maximal beschleunigte maximale Geldvermehrung…
Nein, so trist darf ich das Bild auch nicht malen… Immerhin hat mich die Wirtschaft mit diesem Computer versorgt, mit dem das Schreiben weit leichter fällt als zu Zeiten von Tinte und Korrekturstift (obwohl der auch schon 5 Jahre alt ist, damit trage ich also keineswegs zum allgemeinen Wirtschaftswachstum bei...). Die Wirtschaft schickt mir SeminarteilnehmerInnen und BuchkäuferInnen. Und das Frühstück im Cafe Dommayr soeben war ja auch sehr fein.
Den ERFOLG definieren
Was ist Erfolg in der Wirtschaft? Aufträge zu bekommen, Kunden, viele Kunden, die viel kaufen, die zufrieden sind und es weiter sagen, sodass noch mehr Kunden kommen und kaufen… Damit steigt der Cash, und man kann investieren, auch in die Werbung, und das Unternehmen gelangt in die Medien-Rankings. Ein Platz unter den Top-1000 wäre toll. Oder gleich die Top-10. Oder gar ganz oben? So ein bisserl Red Bull?… Ob der Red Bull Boss Mateschitz zufrieden und glücklich ist?
Wovon machst du deinen Erfolg, dein Glück, deine Zufriedenheit abhängig? Neues Auto? Gehaltserhöhung? Haus in Velden, direkt am See? Karrieresprung in die Chefetage? Zweitwagen, Drittfernseher, noch ein Urlaub, noch eine Opern-Premiere, noch ein Orgasmus?
Ganz tief drinnen wissen wir es ja ohnehin: Wer sich stets mit anderen vergleicht, im Mehr das Glück sucht und bloß dem Markt hinterherhechelt, wird garantiert zur Frustbuchtel. Die Erfolgsgesetze des Neuen Wirtschaftens können nur im ICH fußen.
Die SEHNSUCHT finden
Du bist für dich und dein Glück weitgehend selbst verantwortlich. Darum gönn‘ dir doch den Ausstieg aus dem Wachstum des Wachstums. Die Basis einer ICH-orientierten, neuen Wirtschaft ist die Kernfrage: Was ist MIR persönlich wirklich wichtig? Was will ich? Welche Sehnsucht brennt in mir? Was kann ich gut? Was macht mir Freude? Welches Potenzial könnte, sollte sich entfalten? Welche Leidenschaft treibt mich an?
Hannes Jagerhofer hat mit seinem Beachvolleyball-Turnier vergangenen Sommer wieder einen großen Erfolg eingefahren. Jener Jagerhofer, der als Medizin-Student so gar keine Freude hatte. Auf Parties fühlte er sich schon damals wohler - und das höchste Wohlbehagen bereitete es ihm, wenn er die Feste selbst veranstalten konnte. Die Clubbings und Events wurden das Seine! Heute macht er, was ihm Freude bereitet und verdient noch gutes Geld damit.
Helmut Pechlaner, Tiergartendirektor von Schönbrunn, züchtete schon als Volksschüler im Schreibtisch Ratten. Der Playboy-Herausgeber Hugh Hefner liebte es stets, von attraktiven Frauen umgeben zu sein. Und mein Freund Michael Trybek wiederum lebt gut von seiner Humor-Kompetenz. Aus der Frage „Was will ich wirklich?“ können wundervolle Berufe entstehen, mit denen man wirtschaftlich höchst erfolgreich ist.
Das ICH zur Marke machen
Was haben Pechlaner, Jagerhofer, Dagmar Koller und Armin Assinger gemeinsam? Eigentlich nichts, was ihre so verschiedenartigen Talente anlangt - und doch sehr viel, wenn wir uns darauf konzentrieren, wie diese Leute mit ihren Talenten umgehen.
Pechlaner heißt: Tiere - und sonst nichts.
Jagerhofer = Events und sonst nichts.
Koller = Entertainment
Assinger = Schmähführen mit sportlichem Hintergrund.
Marke zu sein bedeutet: für etwas stehen, Orientierung geben, klar erkennbar ein Thema leben. Die Betonung liegt auf EIN Thema! Oder könntest du dir vorstellen, dass der Jagerhofer auch gut mit Elefanten umgehen kann? Dass die Koller eine ebenso gute Figur auf der Streif machen würde? Dass Pechlaner in einer Operette auf der Bühne steht? Die teuerste Marke der Welt, Coca Cola, lebt allein davon, dass sie als cooler Erfrischungsdrink geschätzt wird. Und Nokia für seine Mobiltelefone. Und Red Bull für den ersten Energydrink, der Flügel verleiht…
Jeder von uns kann viel von Marken lernen. Vor allem, dass es unter all den Produkt-, Unternehmens- und Persönlichkeitsmarken keine „eierlegende Wollmilchsau“ gibt. Die Todsünde besteht darin, es jedem recht machen zu wollen und sich endlos zu verzetteln. ICH-Marken konzentrieren sich auf das, was ihnen am wichtigsten ist, was sie wirklich gut können. Und sie gehen diesen Weg konsequent, verlassen ihn auch nicht, wenn Kritik aufkommt!
Den INNEREN GURU aufspüren
Beim Wort „Guru“ rümpfen manche unter uns vielleicht die Nase… Wenn aber von „Management-Guru Malik“, „Fitness-Guru Strunz“, von Business-, Rechts- und Unterhaltungs-Gurus die Rede ist, so wird dieses Prädikat als Synonym für Kompetenz, Eigenständigkeit und Strahlkraft gebraucht. Und genau diese Elemente machen eine erfolgreiche Marken-Persönlichkeit aus.
Ursprünglich ist das Wort „Guru“ mit einer starken, schönen Bedeutung verbunden: der Guru ist ein „ehrwürdiger Lehrer“. Der Hindu-Begriff guruthwa karshan bedeutet „Schwerkraft“. Und Schwerkraft zieht an. Ein Guru hat demnach Gewicht. Er ist stark, verwurzelt, verankert. Alles Andere als ein Blatt im Wind. Gurus in dieser ursprünglichen Sicht sind gefestigt, konzentriert - sie haben eine Position, die sie vertreten. In unserer Massengesellschaft der Kopien, des Mainstreams, gibt es davon nicht viele. Solche Menschen regen natürlich auch zum Widerspruch an, zur Auseinandersetzung, zum Beziehen einer Gegenposition. Aber sie haben enorme Strahlkraft. Man hat alles Verständnis für ihre Schrulligkeit - im Gegenteil, man weiß, Gurus müssen so sein: etwas verschroben, unkonventionell, außergewöhnlich…
Und jetzt die entscheidende Frage: Wie lange wollen wir noch anderen Gurus nachjapsen? Wie viel guten Rat wollen wir noch feinsäuberlich in die Bibliotheken stapeln? Finden wir uns selbst wirklich so missglückt, dass wir meinen, die Weisheit müsse von anderen kommen?!
Selbständig = Ständig SELBST
Nimm DICH und deine Sehnsüchte und Positionen ernst. Hol dir deine Lebensführerschaft wieder zurück. Lass dich nicht länger mit der großen „Werbekarotte“ verführen. Such deine eigene „Schwerkraft“. Wo auch immer es dich „hinzieht“, was immer deine „Neigung“ ausmacht, gib diesem „inneren Guru-Impuls“ nach!
Jede und jeder von uns hat die Weisheit und damit das Potenzial des neuen Wirtschaftens in sich - samt jener Faszination, die entsteht, wenn man seiner ureigensten Schwerkraft im Sinn von Kompetenz vertraut und diese auslebt. Mach dein ICH zur unverwechselbaren Marke! Statt den Marken aus der Werbewirtschaft nachzurennen, erlaube deinem ICH, die Markierungen der (neuen!) Wirtschaft vorzugeben. DEINE Marke für Glück, Zufriedenheit, Erfolg.
Ich wünsche dir, dass dein ICH-Marken-Weg der Selbst-Ständigkeit erkenntnisreich, spannend und lustvoll verläuft - und freue mich, wenn unsere Wege sich kreuzen!

Dr. Manfred Greisinger
geb. 1964 in Allentsteig, ist freier Autor, Publizist, Seminartrainer, selbstständiger PR-Berater, Univ. Lektor (personal branding), Schreib-Abenteurer, Sinnesfreund, leidenschaftlicher Waldviertler und PURist. Bisher sind von ihm 15 Bücher in der Edition Stoareich erschienen.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 3-2005 der Zeitschrift WEGE.
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